16:30 Nadine Berger: „Patriarchat, Kapitalismus und Polykrise – eine schrecklich tödliche Beziehung“
17:00 C. Nennewitz/B. Siebauer: Männer. Macht. Klimaschutz.
17:30 Wandelwerk e.V. – Workshop „Das Aktivismus-Dilemma. Balancieren zwischen Aufmerksamkeit und Akzeptanz von Klima-Aktionen“
„Das, was ich weiß, von dem ich aber nicht weiß, dass es ich es weiß, beeinflusst mich mehr, als ich weiß.“ (Erickson)
Während sich seit Jahrzehnten Menschen gegen große systemische Widerstände bemühen, die Vernichtung unserer Lebensgrundlagen zu stoppen, bleibt ein Aspekt bezeichnend ausgeblendet: das Patriarchat. Damit aber fehlt uns auch psychologisch betrachtet DER zentrale Analysefokus: Der Umgang mit unserer Mitwelt, die Ideologie des Wachstums, aber auch die autoritären gesellschaftlichen Entwicklungen sind nicht zu verstehen, ohne die patriarchalen Wertsetzungen aufzudecken, die unserem Wirtschaften und gesellschaftlichen Handeln zugrunde liegen. Der Wandel, den wir brauchen, muss tiefgreifender sein, als den meisten bewusst ist. Ohne die Überwindung des Patriarchats wird es keine Veränderung zu einem nachhaltigen Wirtschaften, zu einem fürsorglichen Umgang mit der Welt und zu einem global fairen Miteinander geben.
Im Vortrag wird die normalitätsgestaltende Funktion von Werten im Patriarchat aufgezeigt. Es wird herausgearbeitet, warum wir tatsächlich einen Kulturkampf führen müssen, um endlich einen radikalen Systemchange hin zu einer planetaren Culture of Care voranzutreiben.
zur Person:
Psychologische Psychotherapeutin (TP, ST, Trauma), niedergelassen in Leipzig, aktiv u. a. bei Psy4F und Feminist Rebellion
Erfolgreiche Klimakommunikation berücksichtigt bestehende Männlichkeitsnormen und ist Teil eines kulturellen Umlernprozesses in Richtung Fürsorge – Klimakommunikation mit Männern als lösungs- und handlungsorientierter Ansatz
Die Bewältigung der Klimakrise ist nicht geschlechtsneutral, denn Forschung und Praxis zeigen: Frauen sind vom Klimawandel stärker betroffen und engagieren sich mehr in der sozialökologischen Transformation. Männer hingegen bremsen den Wandel eher – in Entscheidungspositionen oder durch klimaschädliche Routinen. Obwohl diese Schieflage bekannt ist, fehlten bisher lösungsorientierte Ansätze. Dieses Buch füllt diese Lücke und erschließt ein oft übersehenes Transformationspotenzial. Es erläutert Erkenntnisse der Klimapsychologie und Sozialwissenschaft und zeigt, wie eine entsprechend zielgruppenorientierte Klimakommunikation gelingt.
Der Vortrag bietet praxisnahe Impulse:
- Wie holen wir Männer mehr ab, um sie für die Klimawende zu gewinnen?
- Welche Kommunikationsstrategien wirken?
- Wodurch zeichnet sich nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel aus?
Zu den Personen:
Benedikt Siebauer ist Mediator, Coach und inzwischen im Vorstand der Psychologists/Psychotherapists for Future e.V. – und verbindet seine vielfältigen Erfahrungen im Einsatz für Klimagerechtigkeit mit psychologischem Wissen.
Constance Nennewitz ist Psychologin und selbstständig tätige Psychotherapeutin. Als Expertin für Klimakommunikation bringt sie umfangreiches Fachwissen und Beratungserfahrung ein.
In den letzten Jahren haben die Aktivist*innen der letzten Generation mit disruptiven Methoden viel mediale Aufmerksamkeit erhalten. Gleichzeitig war die Berichterstattung geprägt von fehlender Akzeptanz. Dieses Spannungsfeld zwischen Medienaufmerksamkeit und öffentlicher Wahrnehmung von Aktionen wird auch Aktivismus-Dilemma genannt.
Wie können kollektive Aktionen eine ausgewogene Balance zwischen beiden finden? Wie wirken sich radikalere Klimagruppen auf die Wahrnehmung der gesamten Bewegung aus? Und wie kann die Berichterstattung über Aktionen zu mehr Akzeptanz von Klimaprotest beitragen?
Mithilfe von Methoden des „Theatre of the Oppressed“ nähern sich die Teilnehmenden diesen Fragen an, beleuchten das Aktivismus-Dilemma von unterschiedlichen Perspektiven und treten darüber in Dialog.
